„Rebel Girl“ – Texte der Journalistin und Kulturtheoretikerin Tine Plesch

Unter dem Titel „Rebel Girl“ legt der Ventil Verlag eine Anthologie mit Texten der 2004 verstorbenen Journalistin und Kulturtheoretikerin Tine Plesch vor. Am morgigen Sonntag, den 8.12. werden Freundinnen und Freunde, Weggefährten und Kolleginnen aus diesen Texten lesen.

Sie war die krimiverschlingende „Queen Of Crime“, Kennerin des femininen Art-Punk, Liebhaberin von düsterem Country und avantgardistischen Jazz. Tine Plesch schrieb für überregionale Publikationen und arbeitete für den freien Sender Radio Z, sie war damit eine der profiliertesten Journalistinnen zur Popkultur hierzulande. Ihre Beiträge erschienen in Jazzthetik, Intro, Junge Welt, aber auch in regionalen Publikationen. Besonders am Herzen lag ihr die halbjährlich erscheinende Testcard, vielleicht die ernsthafteste und umfassendste Auseinandersetzung mit Popkultur in deutscher Sprache. Hier wurde sie Mitherausgeberin.

Tine_Plesch_Radio_Z_1998

Ich selbst habe Tine Plesch über die Mitarbeit bei Radio Z kennengelernt. Für mich und viele Kolleginnen und Kollegen war sie ein Vorbild, ihre meinungsstarken, hintergründigen Sendungen sind mir unvergessen. Tine stellte immer die richtigen Fragen, suchte nach Rebellion und emanzipativen Momenten in Kultur und Popmusik, kritisierte das Reaktionäre und Faule, weil Angepasste. Gleichzeitig war sie stets neugierig auf das Unbekannte. Sie kannte keine Hemmungen, sich mit anderen zu vernetzen, freute sich über Austausch und Diskussion. Anschlußpunkte gab es für sie viele: ob es nun um die fast in Vergessenheit geratene Schriftstellerin Gisela Elsner, den Feminismus im Heavy Metal oder theoretische Reflektionen über Inhalte und Ästhetiken in der Popkultur ging: Tine war – soweit es ihre Kapazitäten zuliessen – dabei! In der Zusammenarbeit, bei gemeinsam vorbereiteten Sendungen etwa, habe ich viel gelernt. Bei soviel Klugheit und Reflektion kam das Sinnliche bei Tine aber nie zu kurz. „It’s not my revolution if I can’t dance to it“ war einer ihrer Leitsprüche. Bei Konzerten in den üblichen Lokalitäten sehe ich sie noch heute vor mir, mit einem Glas Rotwein, meist ganz vorne rechts im Publikum. Nicht nur in diesen Momenten vermisse ich sie sehr. Die Lücke, die sie hinterlassen hat, sowohl persönlich wie auch als Journalistin, ist enorm.

Die Veröffentlichung des Buches „Rebel Girl – Popkultur und Feminismus“ (Ventil Verlag) bietet den Anlaß, Tine Plesch mit einer Veranstaltung am 8.12. in Nürnberg zu feiern. Tines Texte aus diesem Buch werden von Menschen, die ihr nahe waren und mit denen sie zusammengearbeitet hat, gelesen. Die weiterführenden Infos dazu finden sich hier.

Das Buch „Rebel Girl“ wurde zusammengestellt von Tines Bruder Hans Plesch, Evi Herzing alias Eve Massacre sowie Jonas Engelmann. Michaela Melian steuerte ein Vorwort dazu bei. Mit Jonas Engelmann, der in Wiesbaden lebt, beim Ventil Verlag arbeitet und über Musik, Comics und Graphic Novels schreibt, führte ich anläßlich der Buchveröffentlichung ein Interview für Radio Z:

Wer sich weiter mit dem Werk von Tine Plesch beschäftigen möchte, findet hier einige online verfügbare Texte und Audiobeiträge zum Einstieg.

Tine Plesch „Rebel Girl. Popkultur und Feminismus“. Ediert von Hans Plesch, Evi Herzing und Jonas Engelmann, mit einem Vorwort von Michaela Melian. 240 Seiten, broschiert. Ventil Verlag 2013. 14,90 Euro.

Nachtrag vom 29.1.2014: ein Mitschnitt der Veranstaltung ist inzwischen online, hier zu hören:

Siehe auch hier: www.kubiss.de

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