Aus den Archiven 3: Serhij Zhadan

Seit Wochen gehen die Menschen in der Ukraine auf die Straße – um gegen eine autoritäre Regierung zu protestieren. Der ukrainische Schriftsteller Serhij Zhadan hat einen genauen Blick auf die politischen Verhältnisse in seiner Heimat. Was er in diesem Interview 2011 sagte, hat auch für die Proteste 2013 Gültigkeit.

Sie werden gefeiert wie Rockstars – Schriftstellerinnen und Schriftsteller haben in der Ukraine einen Status, von dem die schreibende Zunft hierzulande nur träumen kann. Ihre Bücher verkaufen sich in hohen Auflagen, bei Lesungen und Diskussionen lauschen hunderte ihren Ausführungen, Literaturfestivals werden zu Massenveranstaltungen (wie die SZ im September vom Lemberger Literaturfestival berichtete – Artikel leider nicht online). Und wir sprechen hier nicht von dem üblichen Bestseller-Lessefutter à la „Shades Of Grey“, sondern von in Westeuropa von der Kritik gefeierten Autoren wie Juri Andruchowytsch, Andrej Kurkow oder Serhij Zhadan.

Serhij Zhadan bei einer Lesung 2009
Serhij Zhadan bei einer Lesung 2009

Mit letzterem führte ich im März 2011 ein Interview für Radio Z. Damals war das Nachbeben der Präsidentschaftswahlen 2010 noch spürbar, aus denen der Russland-orientierte Wiktor Janukowytsch als Sieger hervorging. Meldungen von einer um sich greifenden Zensur der Presse drangen zu uns. Die Freiheiten, für die die Orangene Revolution gekämpft hatte, schienen schon da nach und nach wieder eingeschränkt zu werden. Von Serhij Zhadan hatte ich zu diesem Zeitpunkt wenig gelesen, ich kannte nur seinen Erzählband „Hymne der demokratischen Jugend“. Entsprechend liege ich mit manchen Fragen etwas daneben. Beim Wiederhören des Interviews ist mir nicht nur aufgefallen, wie sehr seine damaligen Antworten die Stimmung in der Ukraine des Jahres 2013 treffen, sondern was sich zwischen den Zeilen herauslesen lässt. Zhadan traut auch den Oppositionsparteien und der oppositionellen Politikerin Julija Timoschenko keine Lösung der Situation zu. Seiner Meinung nach sollten die Menschen selbst in der Lage sein, die politischen Geschickel in die Hand zu nehmen. Nach meiner Definition eine moderne anarchistische Position.

Die Bücher von Serhij Zhadan erscheinen auf deutsch bei Suhrkamp.

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