Rätsel der Buchgestaltung: same same – or different?

Schön gestaltete Bücher sind angesagt, selbst die großen Verlage haben das aufwändig ausgestattete Buch wieder für sich entdeckt. Auf der anderen Seite gibt es Buchcover, die alles andere als individuell gestaltet sind. Libroskop sind da ein paar aufgefallen…

Vor kurzem regte sich ein Bloggerkollege mächtig über die Buchgestaltung eines bestimmten Verlages auf. Leider ging die Kritik etwas unter die Gürtellinie, denn ob man ein Buch nun hübsch oder hässlich findet, ist letzten Endes Geschmackssache. Ob die Gestaltung von Büchern sorgfältig und individuell vorgenommen wurde, lässt sich schon objektiver beurteilen. Leider gibt es immer wieder Bücher, die einem anderen zum Verwechseln ähnlich sehen. Brothers from different mothers – hier eine kleine Auswahl.

shklar eugenides

Dass es zu Ähnlichkeiten kommen kann, lässt sich selbst bei individuell gestalteten Büchern nicht vermeiden. Dem Verlag Matthes & Seitz Berlin kann man kaum vorwerfen, eine einfallslose Buchgestaltung zu betreiben, schließlich leistet sich der Verlag einen eigenen Buchgestalter. Dennoch zeigt der Einband von Judith N. Shklars Essay (2014 erschienen) eine verblüffende Ähnlichkeit zu Jeffrey Eugenides‘ letztem Roman (2011) …

manakin bogdal

Schwierig wird es, wenn BuchgestalterInnen auf bekannte Fotomotive zurückgreifen. Die Wahl, eine Arbeit der Fotografin Ljalja Kuznetsowa zu verwenden, ist sowohl bei Wladimir Makanins Erzählband (2005), wie auch bei Klaus-Michael Bogdals ausführlicher Studie über Sinti und Roma in Europa (2011) thematisch nachvollziehbar. Das Motiv zierte aber auch schon zwei Fotobände der Künstlerin – die farbliche Ähnlichkeit zwischen dem Suhrkamp-Band und dem rechts oben abgebildeten Cover verblüfft zusätzlich.

Ähnliches gilt natürlich für berühmte Gemälde. Buchumschläge, auf denen sich beispielsweise Ausschnitte aus den Werken von Hieronymus Bosch oder einem der Brueghels wiederfinden, dürfte es zu Hunderten geben. Hier kommen natürlich Faktoren wie Wiedererkannbarkeit und im kollektiven Gedächtnis angelegte Assoziationen dazu. Mit wenig grafischem Aufwand lässt sich so ein starker affektiver Akzent setzen, und das bedeutet: der Kaufreiz wecken.

marai buarque haffner

Neben dem Werk namhafter FotrografInnen und MalerInnen, wird bei der Buchgestaltung inzwischen gerne auf die Bestände von Bildagenturen und Fotoarchiven zurückgegriffen. Welche Blüten das treiben kann, ist hier ersichtlich: der junge Mann, der irgendwie nach frühem 20. Jahrhundert und subversivem Lebensstil aussieht, muss wahlweise als ungarischer Junggeselle, als brasilianischer Lebemann und für die französische Ausgabe von Ernst Haffners „Blutsbrüder“ als Mitglied einer Berliner „Ringbande“ herhalten. Eine multiple Persönlichkeit wider Willen, sozusagen.

guterson rustie

Der Rückgriff auf Bildagenturen und ihre Angebote kann auch kategoriensprengend für verwirrende Parallelen sorgen. So ziert den Umschlag von David Gutersons letztem Roman in der deutschen Ausgabe das gleiche Foto wie das Plattencover des schottischen Elektronikmusikers Rustie. Beide Werke sind fast zeitgleich im Sommer 2014 erschienen. Ob es wohl Leute gab, die dachten, das eine sei der Soundtrack zum anderen?

allende

Bücher, die wie die Zwillinge anderer aussehen, begegnen einem übrigens meistens im Buchladen und selten im Internet. In der Geschäftsauslage fallen gleichartige Cover sofort auf, das Internet mit seinen riesigen Datenbanken gibt erst bei genauer Suche ein Bild preis. Aber: Bilder lassen sich nicht (noch nicht?) nach der Ähnlichkeit zu anderen Bildern googeln. Verlässt einen nach dem Besuch im Buchladen das Gedächtnis, lässt sich nicht mehr herausfinden, welches Buch so oder so aussah. Genau so erging es mir, als ich vor kurzem in einer Auslage ein Umschlagmotiv entdeckte, das dem von Allendes „Mayas Tagebuch“ exakt glich. Nur welches Buch war es? Wenn ich mich doch nur erinnern könnte…

Vielleicht können mir ja Leserinnen und Leser in diesem Fall weiterhelfen? Oder kennt Ihr noch andere Bücher, bei denen sich die Gestaltung frappierend ähnelt? Ich freue mich über Eure sachdienlichen Hinweise in der Kommentarspalte!

Nachtrag:

ribeiro obioma

Bloggerkollege Sebastian von Analog-Lesen hat sich gleich gemeldet und auf diese Pärchen aufmerksam gemacht (siehe Kommentar unten). Vielen Dank!

Der Ribeiro-Band ist erst 2013 erschienen, das Bild zierte damals auch einen Suhrkamp-Prospekt zum Buchmesse-Gastland. Bei Aufbau hatte man dies aber damals nicht wahrgenommen oder gut zwei Jahre später schon vergessen. Anzumerken ist auch noch, dass beide Bücher bzw. ihre Autoren von unterschiedlichen Kontinenten kommen und trotzdem mit dem gleichen Umschlagmotiv beworben werden.

szilard gremillon

Über dieses weitere Beispiel bin ich in einem älteren Beitrag auf Wortlandschaften gestolpert. Dort verlinkt fand ich auch einen Artikel aus dem ZeitMagazin, der sich ebenfalls mit dem Thema beschäftigt.

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9 Gedanken zu „Rätsel der Buchgestaltung: same same – or different?

  1. Ein aktuelle Beispiel aus dem Buchladen; Der dunkle Fluss von Chigozie Obioma, erschienen im Aufbau Verlag. Ich finde, das Cover sieht ziemlich gut aus. Gab es aber schon im Suhrkamp Verlag: Brasilien Brasilien von João Ubalde Ribero. (Müsst ihr jetzt selber suchen, wie die aussehen)

  2. Neulich entdeckt und für doppelt befunden.

    Das Cover von Andrzej Szczypiorski „Die schöne Frau Seidenman“:
    https://muromez.wordpress.com/2015/02/15/andrzej-szczypiorski-die-schone-frau-seidenman/

    Das Cover von Rainer Maria Rilke „Frühe Gedichte“:
    http://www.suhrkamp.de/buecher/fruehe_gedichte-rainer_maria_rilke_32578.html

    Beide zeigen das „Bildnis Gertrud Loew“, das von Gustav Klimt angefertigt wurde und neulich für 35 Mil. Euro bei Sotheby versteigert wurde.

    1. Die Google-Bildersuche wollte ich auch anmerken. Was anderes noch: Ich finde, es gibt einen Unterschied zwischen einem ähnlichen – oder gleichen – Cover, weil das selbe Stockfoto benutzt wurde, wie beim Großteil der Beispiele, oder weil die gleiche Designidee umgesetzt wurde. Das gibt es ja in Massen. Aber vielleicht könnte man eine Sammlung beider Sachen machen, damit die Aufmerksamkeit dafür sich steigert…

  3. Ein interessanter Beitrag. War mir gar nicht so bewusst, dass sehr ähnliche Covergestaltung so oft vorkommt. Kann mich da erinnern, wie ein Bild von einem sehr guten Illustrator recycled wurde, obwohl es eindeutig für eine ganz andere Geschichte gezeichnet wurde. Schade, denn die Gestaltung von einem Buch ist mir schon wichtig und wenn das vom Aussehen her schon billig oder wie eine Kopie aussieht, verdirbt das die Lust auf Mehr.

    Liebe Grüße
    Tobi

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