afrika:diaspora 7 /// Afrofuturistische Kurzfilme

In Literatur und Musik erlebt der Afrofuturismus gerade seinen zweiten Frühling, der große schwarze Science-Fiction-Film wurde bisher aber nicht gedreht. Dafür zeigen Kurzfilme aus Afrika und Amerika eine Vielfalt von Zukunftsvisionen. Eine kleine Auswahl.

afrika-diaspora-logo-libroscopeVor kurzem präsentierte ich im Rahmen der Veranstaltungsreihe Salon der unerfüllten Wünsche einen Abend zum Thema Afrofuturismus. In Europa wird diese kulturelle Strömung nur am Rande wahrgenommen, in den USA und in afrikanischen Ländern erlebt sie gerade enormen Zulauf. Ausgehend von Leitfiguren wie den Musikern Sun Ra und George Clinton, den Schriftsteller*innen Octavia Butler und Samuel R. Delany sowie einem Charakter wie Commander Uhura aus der TV-Serie Star Trek begann in den 1960er Jahren eine afroamerikanische Science Fiction, die erst 1993 von dem Journalisten Mark Dery unter dem Begriff „Afrofuturismus“ zusammengefasst wurde.

Inzwischen hat diese Ästhetik enormen Einfluss auf das kulturelle Schaffen schwarzer Künstler*innen. In dieser Artikelserie habe ich z. B. vor kurzem den ersten ins Deutsche übersetzten Roman der nigerianisch-amerikanischen Schriftstellerin Nnedi Okorafor vorgestellt. Der Afrofuturismus schwappt immer mehr in die afrikanischen Länder und verbindet sich dort mit aktuellen kulturellen Entwicklungen. Eine Gruppe von Theoretiker*innen und Schriftsteller*innen hat 2016 sogar den Afrofuturism 2.0 ausgerufen und spricht nicht mehr von Science Fiction, sondern von Black Speculative Arts.

Auf mehrfachen Wunsch habe ich hier die an besagtem Salon-Abend vorgestellten Filme nochmals zusammengestellt. Es sind samt und sonders Kurzfilme, denn im abendfüllenden Format gibt es den Afrofuturismus im Kino noch nicht. Sichtbar wird aber eine Vielfalt spannender Ansätze und Themen.

Kibwe Tavares studierte eigentlich Architektur. Das ist seinen Kurzfilmen mit ihren ungeheur detailreich animierten Stadtlandschaften deutlich anzumerken. Für „Jonah“ bediente er sich bei biblischen Motiven, um eine Geschichte aus Sansibar über zum Scheitern verurteilte Hoffnungen zu erzählen, nicht ohne kapitalismuskritische Untertöne.

Und noch einmal Kibwe Tavares mit einem Film, der fast wie ein Musikvideo wirkt und die Brücke zwischen der Vergangenheit und einer möglichen Zukunft im Londoner Stadtteil Brixton schlägt.

Die kenianische Regisseurin und Drehbuchautorin Wanuri Kahui realisierte 2009 diesen dystopischen Science-Fiction-Kurzfilm. Wasser wird hier nicht nur zum Symbol für den verantwortungslosen Umgang mit der Natur, sondern auch als Grundlage für ein humanes Zusammenleben und eine gesellschaftliche Entwicklung.

In den Südstaaten der USA spielt Nijla Mumins Kurzfilm über eine Jugendliche, die den Verlust von sechs Freundinnen zu verarbeiten versucht. Der Film beruht auf wahren Begebenheiten: die Mädchen waren ertrunken, weil sie nicht schwimmen konnten. Mumin kombiniert ein Coming Of Age-Drama mit dem in vielen afrofuturistischen Narrativen zu findenden magischen Realismus.

Als „Bonus“ noch Amin Sidi Boumedienes Film „The Island“, der für die Salon-Veranstaltung mit seinen 35 Minuten dann doch zu lang war. Ein schon fast elegischer Kurzfilm aus Algerien, sehr langsam erzählt und mit einer überraschenden Pointe.

 

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2 Gedanken zu „afrika:diaspora 7 /// Afrofuturistische Kurzfilme

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