Sphinx unterm Sternenhimmel – ein Lesekreis debattiert über Anne Garréta

1984 veröffentlichte die französische Schriftstellerin Anne Garréta einen Roman, der wie gemacht scheint für die Genderdiskurse des 21. Jahrhunderts: in „Sphinx“ fehlt beiden Hauptfiguren jegliche Geschlechterzuschreibung. Das Protokoll einer Lesekreisdebatte macht die Erfahrungen mit dieser ungewöhnlichen Lektüre nachlesbar.

„Sphinx“ erzählt eine Liebesgeschichte unter denkbar ungewöhnlichen Vorzeichen: sowohl der Person, die aus der Ich-Perspektive erzählt, als auch dem „Objekt der Begierde“, im Text schlicht mit dem Namen A*** versehen, fehlen jegliche Zuschreibungen, die auf das Geschlecht hinweisen. Eine Liebe zwischen zwei Menschen, von denen wir nicht wissen, ob sie männlich oder weiblich sind – oder sogar eine andere, weder männliche, noch weibliche Zuschreibung wählen würden? Anne Garréta ist es gelungen, trotz dieser Selbstbeschränkung sehr ungekünstelt zu erzählen. Dafür spart „Sphinx“ nicht mit Dramatik und existenzieller Wucht, denn die Liebesgeschichte geht natürlich nicht gut aus. Angesiedelt im Pariser Nachtleben der 1980er Jahre, angereichert mit Krimielementen und Bezügen zur Romantik, verschaffte „Sphinx“ der 1960 geborenen Autorin auch eine Berufung in den experimentellen literarischen Zirkel Oulipo, auf dessen exklusiver Mitgliederliste ihr Name nun zwischen Italo Calvino, Raymound Queneau, Oskar Pastior und Georges Perec steht.

2016 wurde „Sphinx“ nun endlich ins Deutsche übersetzt. Mein Lesekreis, dem ich hier schon einen kleinen Blogartikel gewidmet habe, wählte das Buch als Juli-Lektüre. Wie die Gruppe an einem lauschigen Sommerabend, begleitet von den sirrenden Rufen der Mauersegler, über diesen Roman diskutierte, lässt sich in Ausschnitten im Folgenden nachlesen.

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Ein Gespräch kann auch mit einem worst of beginnnen …

D: A, der schlimmste Satz.

A: „Bei ihrem Nachtschwärmerballett auf dem Bordsteinrand mutete sie an wie ein Gladiator oder ein Stück Vieh im Geschirr.“ Na? Ihr wolltet es unbedingt hören …

T: Ich glaube, da geht’s um den Style. Aber fandest Du den Anfang so schlimm?

A: Irgendwie schon. Danach ging’s, aber die ersten zehn Seiten, da dachte ich mir: Oh Gott! Aber dann fand ich’s seltsamerweise gar nicht mehr so schlimm.

„Sphinx“ ist wie gesagt ein Roman, bei dem die Autorin das Experiment gewagt hat, den beiden Hauptpersonen kein Geschlecht zuzuschreiben. Nachdem das erzählende Ich unbewusst von unterschiedlichen Lesekreismitgliedern mehrfach als „er“ oder „sie“ bezeichnet wurde, ging die Runde bald auf diese Eigenart des Romans ein.

L: Das ist schon interessant. Wir sind ja alle reingegangen mit dieser Erklärung, dass es der Versuch ist, ein geschlechtsneutrales Buch zu schreiben. Was ich spannend fände: ob jede/r so einen kleinen Detektivdrang hatte. Finde ich eine Stelle, wo die Autorin sich verraten hat….

F: Ja, das finde ich verständlich, aber ich hab’s ziemlich schnell aufgegeben, weil es einfach nicht nötig war. Es war vollkommen irrelevant, welche Geschlechter diese beiden Personen haben. In allen Kombinationen ist diese Geschichte möglich.

D: Es war vollkommen egal.

B: Ich hatte aber schon den Gedanken: Irgendwann verrätst Du Dich!

L: Ich hätte da auch einen Satz, der mal einen Germanistencheck bräuchte. Da frag ich mich, ob es nicht die Mehrzahl bräuchte, damit es funktioniert. Aber ich fand die Schwäche an dem Buch – wenn man das Nachwort gelesen hat, kann man das natürlich etwas anders sehen – dass es irgendwann wurscht ist, ob es „er“, „sie“ oder „es“ heißen muss. Denn interessant fände ich vor allem, welche Eigenschaften, Verhaltensweisen oder Ideale eines Menschen wir als weiblich oder männlich belegen. Das Buch geht da leider nicht so tief, dass es interessant werden könnte. Das wäre aber die große Chance, wenn man mit diesen Geschlechterrollen spielt. Das Buch stellt sich aber nur selbst die Herausforderung das auszulassen, quasi als technisches Kriterium.

F: Vielleicht, weil es bei einer solchen Geschichte gar nicht auf die Geschlechterrollen ankommt.

A: Aber das fand ich an dem Buch schon gelungen, weil man sich ja ständig fragt, ob die Person jetzt männlich oder weiblich ist, da hinterfragt man schon, wie man sowas liest.

L: Ich hab mir die Frage nur gestellt, weil ich es ja vorher schon wusste, dass ich es nicht erfahren werde. Die einzigen Punkte, bei denen ich darüber nachdenken musste, ob es eine Sie oder ein Er oder eine Transe waren, waren die, wenn es so eine Art von Detektivhinweisen gab. „A*** kommt aus der Dusche und hat das Handtuch nur um die Hüfte geschlungen“. Da kommt man kurz ins Nachdenken. Aber es ist nie so tief, dass es dabei z. B. wirklich um männliche Handlungsweisen geht.

T: Aber ich fand das alles sehr natürlich. Ich glaube, wenn das Buch das mehr betont hätte, dann wäre es künstlich gewesen, weil ein Roman, in dem die Geschlechterrollen eindeutig besetzt sind, das auch nicht machen würde. Es würde ja nicht heißen: „A*** kam, wie es Männer halt so tun, mit seinem Handtuch um die Hüfte aus der Dusche“.

L: Aber das ist mir zu oberflächlich.

T: Es ist halt eine Sache von Andeutungen, ein Spiel. Und das funktioniert ja nur, wo Leerstellen da sind. Ist alles zu eindeutig, dann ist es kein Spiel.

F: Ohne diese Geschlechterrollen konnte sich das Buch auf die wirklich relevanten Aspekte dieser Liebesgeschichte konzentrieren. Ohne, dass irgendwelche Geschlechterklischees mit reinspielen.

N: Zum Beispiel?

R: Welche waren denn relevant?

F: Mal anders gesagt: ich fand es ziemlich gelungen, wie das Buch ohne romantisierende Klischees auskommt, die eine körperliche Liebe immer mit einer anderen Rechtfertigung begründen. Dass im Gegenüber die Person fürs ganze Leben gesehen wird oder irgendwelche anderen transzendierenden Dinge hineininterpretiert werden. Ich glaube, dadurch, dass es diese Geschlechterrollen außen vor gelassen hat, hat es das geschafft. Dass es um eine körperliche Anziehung geht, die keinerlei Begründung bedarf.

Über den ganzen Abend verteilt kommen wir immer wieder auf die Frage nach den (fehlenden) Rollenzuschreibungen zu sprechen …

R: Ich fand auch, dass die beiden Personen jeweils eine irgendwie geartete Rolle einnehmen, das reicht ja zum Erzählen der Geschichte aus. Deswegen hat das Geschlecht dann irgendwann keine große Rolle mehr gespielt. Aber ich hatte schon eine Vorstellung vom jeweiligen Geschlecht der Person. Habt Ihr die dann irgendwann verloren beim Lesen?

S: Hat bei mir gewechselt, je nachdem, welche Hinweise gerade gegeben wurden.

R: Ich hatte am Schluss schon ein Bild davon.

S: Bei mir hat sich das irgendwann manifestiert. Ich hab sie als weiblich und ihn als männlich wahrgenommen.

B: Das war jetzt ein super Satz. (allgemeines Gelächter)

[…]

S: Aber es ist doch geschlechtslos pathetisch. Das finde ich ganz spannend. Ich finde z. B. eine Juli Zeh eigentlich unerträglich weiblich pathetisch. Oder ich erinnere mich an eine Vorlesung über Max Frisch, da meinte die Professorin: „Msphinx2eine Damen, wenn sie diesen Max Frisch nicht verstehen, wundern Sie sich nicht. Ein unerträglich männlicher Schriftsteller. Was der Mann leidet, kann keine Frau nachvollziehen.“ Und irgendwie stimmt das auch bei Max Frisch, das ist schon sehr männlich. Hier aber fand ich es geschlechtsneutral. Also, die Schriftstellerin verkneift sich wirklich vieles, was männlich oder weiblich sein könnte.

L: Aber auf mich wirkt das nur wie eine Herausforderung. Das gibt der Geschichte weder mehr noch weniger Tiefe. Das ist halt eine Spielerei.

B: Ja, das ist halt was Technisches. Das hat mir der Geschichte erstmal wenig zu tun.

T: Ich würde dafür plädieren, dass sowas immer etwas mit der Geschichte zu tun hat.

B: Es ergibt dann schon eine Wechselwirkung mit der Geschichte. Aber man kann nicht per se sagen: Weil es keine Geschlechterzuschreibungen gibt, ist es besonders flach oder besonders tief oder besonders witzig. Es gibt keinen direkten Zusammenhang, aber es macht etwas mit einem, ob man weiß, woran man ist, oder es nicht weiß.

R: Es erzeugt eine Grundspannung, es nicht zu wissen.

B: Ich hab mich an vielen Stellen schon gefragt, was wir sonst mit einschreiben, egal ob es nun um Geschlecht oder Herkunft oder Hautfarbe oder Alter geht. Wie sehr wir dazu neigen, weitere Schlüsse zu ziehen. Und das bleibt uns eben verwehrt.

[…]

D: Die Widmung vorne im Buch fand ich noch interessant: „To the third.“

B: Passt das nicht zu weder-noch?

D: Ja, so hab ich’s auch verstanden.

Abgesehen von dem Experiment, ohne Geschlechtszuschreibungen zu schreiben, ist „Sphinx“ in erster Linie eine Liebesgeschichte. Allerdings eine sehr spezielle, bei der ein großer Verlust im Mittelpunkt steht. Anfangs will A*** keine Beziehung, lässt sich von der erzählenden Person aber quasi „überreden“. Als diese es sich langsam in der Beziehung mit A*** eingerichtet hat und erste Abnützungserscheinungen sichtbar werden, stirbt A*** unvermittelt. Zurück bleibt eine riesige Leere, die das Leben der erzählenden Person existenziell erschüttert.

S: Ich glaube, es ist die subjektive Sicht der Leserinnen und Leser, ob sie oder er mit diesen Vorstellungen der Liebe zurechtkommt, die über die gesamte zweite Hälfte des Buches verhandelt werden. Ich glaube, da ist das, was F gesagt hat, relevant: das ist ja nicht so schön, was da beschrieben wird. Es geht auch um die Frage: hat man ein Recht auf eine andere Person? A*** warnt ja die Erzählperson mehrfach: „Pass auf, wenn wir jetzt anfangen, miteinander zu schlafen, dann wird’s echt problematisch. Das fangen wir am besten gar nicht erst an.“ Die erzählende Person will’s aber nicht glauben. Dann beginnt ein Spiel, irgendwann kippt das Ganze, und das fand ich schon sehr gut erzählt. Mir subjektiv ist das schon sehr nachvollziehbar, was da passiert ist, auch dieses Ringen miteinander und dass man sich das Leben wechselseitig zur Hölle macht. Auch, dass die eine Person sagt: „Du, ich kann nicht auf wechselnde Partner verzichten. Ich hab Dich ja gewarnt. Hätten wir nicht machen sollen.“ Und dass der erzählenden Person das nach dem Verlust so nachgeht, sie nicht mehr richtig in ein Leben reinkommt… Ich hab gegen Ende auch sehr schnell gelesen, war etwas spät dran. Aber das hätte ich gerne mit mehr Zeit für die einzelnen Sätze lesen mögen. Also Milieuschilderung, Personenschilderung – alles überzeugend. Nur dass die erzählende Person am Ende auch noch sterben muss, das fand ich zu viel.

L: Ich fand den ersten Tod auch schon künstlich.

B: Oh, da müssen wir echt nochmal drüber reden.

S: Tja, schon tragisch, wenn man so stirbt.

T: Da würde ich gerne dran anschließen. Dieser erste Tod passiert ja in einer Situation, in der die Beziehung schon lange nicht mehr gut ist. Aber durch diesen Tod wird sie ja fast heilig, diese Liebe. Regelrecht lebensbestimmend. Mir kam es einerseits wie eine tragische Liebesgeschichte vor, aber andererseits auch wie ein Abgesang auf die romantische Liebe. Und dass diese großen Gefühle… Vorher ist es ja eher Anziehung, die aber eher rational ist, sie diskutieren ja beispielsweise, ob sie ein Paar werden sollen. Und dann wird es plötzlich in den Himmel gehoben, weil es diesen Tod gibt und der Andere fehlt. Deswegen fand ich es wie einen Abgesang: die richtig großen Gefühle kommen erst, als die Tragödie eingetreten ist.

[…]

B: Und ich find’s überhaupt nicht abwegig, dass so eine Beziehung zustande kommt. Dass da etwas Großes, Unausgesprochenes ist, was man nicht erklären kann, das einen zu jemandem hinzieht.

N: Aber das war mir zu leidenschaftslos. Die Figur hat absolutes Verlangen nach A***, seit Monaten schon, muss es auch aushalten, weil A*** es nicht möchte… Aber diese sexuelle Komponente. Die Person muss doch durchdrehen, vollkommen verliebt, aber muss sich zurückhalten.

P: Aber das passt doch wieder zu dieser Person dazu, wie kontrolliert sie da wieder rangeht.

B: Ich glaube, alles andere sind Projektionen.

N: Ich hab mich daran gestoßen. Da ist dieses riesige Gefühl, das wird auch von „Ich“ so beschrieben, aber von außen her wird das so abgehakt.

P: Aber da bleibt halt das Stichwort Projektion. Das ist alles von außen gesehen, die Person funktioniert so.

B: Man kann durchaus sagen, dass einem so was nicht nachvollziehbar ist. Ich würde auch sagen: ich bin auf gar keinen Fall so! Ich muss ja rauchen, wenn ich nicht küssen kann.

T: Es ist, finde ich, ein skeptischer Blick darauf, aber auch mit einem Stück Wahrheit. Gerade dieses Unbenennbare, das da ist, gegen das alles Rationale zu sprechen scheint, man passt auch gar nicht zusammen, und dennoch ist da etwas, was einen nicht loslässt. Fand ich schon nachvollziehbar.

L: Aber das hat doch der Ich-Erzähler nicht.

F: Doch, ich fand das sogar sehr gut beschrieben.

L: Aber A*** ist doch so austauschbar, der Gegenpol zu allem, was der Ich-Erzähler ist. Lebt in der Nacht und für weltliche Vergnügen usw. Das ist ein gewisser menschlicher Zynismus, dass man der Liebe alles andere entreißt, was es vielleicht daneben noch gibt. Also für mich ist es einfach nicht folgerichtig – oder zu folgerichtig. Da ist dieser Ich-Erzähler und dann das Lyrische – ist vielleicht auch mein Problem, dass ich da nicht so drauf stehe – und der ist so ichbezogen, und dann gibt’s diese Beziehung und die ist am Anfang ganz leidenschaftlich, und da geht er – der Ich-Erzähler – voll drin auf und dann geht’s bergab, obwohl man in diese Beziehung nie richtig Einblick kriegt und bevsphinx4or das enden kann und der Erzähler sich damit abfinden muss, stirbt die und der Erzähler ertränkt sich in seinem Leid.

T: Für mich ist das alles vollkommen logisch. Es gibt dieses Unbenennbare, es gibt ein Verlangen. Aber dann findet eine Diskussion statt, ein Überreden, „Hey, lass uns halt doch ein Paar werden“. Was halt keine Basis für eine funktionierende Beziehung ist. Vielleicht für eine Affäre, aber nicht dafür. Dann haben sie eine Beziehung, die geht schief und endet dann auch noch in einer Tragödie. Und das einzige, was übrig bleibt, ist dieses tragische Gefühl.

B: Etwas Unaufgelöstes.

T: Ja, genau.

Themen gehen bisweilen auch fließend ineinander über – gerade ging es noch um die Idee von Liebesbeziehung, die im Roman verhandelt wird. Daraus resultierend folgt eine Diskussion über den Aufbau und die sprachliche Gestaltung des Textes. Nicht bei allen stößt der Stil von Anne Garréta auf Gegenliebe. Schon früh wird der Vorwurf geäußert, ihre Schreibe sei „postpubertär“…

R: Ich will nochmal kurz auf das Postpubertäre eingehen. Eigentlich ist es falsch.

N: Es ist pubertär!

R: Nee, mir ist das schon alles nachvollziehbar. Als die Geschichte vom Leben und Sterben der einzigen großen Liebe. Vieles daran kann einem bekannt vorkommen, auch vielleicht die Gefühlszustände, die dann nicht so ins Extrem münden. Aber ich frage mich wirklich, warum man das über so viele Seiten so auswalzen muss, so repetitiv.

T: Vielleicht, weil Schmerz so ist?

R: Aber da muss ich doch nicht so lange drüber schreiben.

T: Wäre es Dir lieber gewesen, wenn die Autorin geschrieben hätte: lieber Leser, die nächsten zwanzig Seiten würde es jetzt um Schmerz gehen, aber das erspare ich Dir lieber.

R: Lesen Sie bitte weiter auf Seite 178! (Gelächter) Ich fand’s halt über weite Strecken extrem pathetisch. Nur mal so rausgegriffen „Wollte ich mich an den scharfen Kanten des Leidens schneiden, den Boden der Hölle berühren, der sich ins Unermessliche auftut? War die Hölle mir letztlich nicht nur Vorwand…“

F: Da kommt die Theologin oder der Theologe in der Person durch.

R: Ich fand die Person auch sehr snobby in ihrer Selbstdarstellung. Feinste Manieren und so…

B: Aber Du kannst jetzt nicht den Charakter der Person im Buch kritisieren.

R: Nein, aber das in Zusammenhang mit der ausufernden Schilderung des Leids und der Nichtigkeit war mir dann schon zu viel. Ich möchte ja schon etwas Attraktives lesen…

F: Aber zeigt das Ausufernde nicht auch die Überforderung, die bei dieser Person stattfindet? Sie versucht ja in Worte zu fassen, was sie nach dem Tod fühlt, aber schafft es ja auch nicht wirklich. Vielleicht will sie auch zeigen, dass es nicht möglich ist, weil sie selbst ihre Emotionen nicht versteht.

R: Vielleicht ist es auch Geschmacksache.

T: Das, was Du Pathos nennst: das Buch schlägt ja schon zu Beginn einen hohen Ton an. Fast ein bisschen wie Lyrik. So wortschwelgerisch. Ich persönlich mag das sehr. Das kann man auch schlecht finden, aber gleichzeitig kann man sich fragen: wie soll man eine solche Tragödie sachlich darstellen? Mit einem Satz wie „Und dann war’s irgendwie blöd“.

B: „Und dann ging es mir irgendwie gar nicht gut!“

L: Ja, aber es gibt doch noch etwas zwischen „Scharfen Kanten des Leidens“ oder „Boden der Hölle“ und einer ganz sachlichen Erzählweise.

R: Also, das rechte Maß gibt es dann schon, gerade dann, wenn ich nicht neben jemandem sitze und nach drei oder fünf Gin Tonic mein Leid über diese Person ausschütte. Oder ob ich ein Buch schreibe, zum Wohlgefallen des Lesers, im besten Falle.

L: Und wer spricht denn nach fünf Gin Tonic von „scharfen Kanten des Leidens“? Zeig mir den mal.

T: Ach, ich fände das ganz schön, wenn Menschen so sprechen würden …

F: Ich muss nochmal sagen: als wir über „Die gläserne Stadt“ von Natascha Wodin gesprochen haben, da war es teilweise auch sehr pathetisch, und das wurde von vielen hier ganz anders wahrgenommen. Woran liegt das?

B: Ich würde auch sagen, dass es schwer in dieselbe Richtung geht.

D: Auch sehr introspektiv…

F: Ich nehme es ja selbst auch anders war. Ich weiß nicht, warum es für mich nicht bei dem Buch hier anders gewirkt hat.

L: Für mich wirkt „Sphinx“ weniger authentisch. So, als hätte es jemand Korrektur gelesen. Und bei Natascha Wodin ist es häufig so ganz…

B: … unmittelbar.

L: So akut.

B: Das stimmt. Ich glaube, das liegt schon, wie T sagt, an dem hohen Ton. Es ist gekünstelter, geht vielleicht wirklich in die Richtung von Lyrik. Auf jeden Fall sucht da jemand anders nach Worten.

F: Hat das auch was mit der Sprache zu tun? Das Buch kommt aus dem Französischen… ich kenn mich da nicht so gut aus, aber hat das eventuell damit zu tun, dass es so „hoch“ klingt?

D: Ich glaube, es kommt noch diese theologische Note rein, die uns eher fremd ist und daher einen eher annervt.

B: Ich denke, es kommt auch mit rein, dass die Autorin 24 war, als sie das geschrieben hat, und Natascha Wodin 38.

T: Es gibt eine Gemeinsamkeit bei den beiden Büchern: sie sind beide im selben Jahr erschienen, 1984. Ich glaube, dieser Ton, dieser Versuch, sprachlich so exzessiv diese Gefühle auszudrücken, das war damals nicht so ungewöhnlich. Ich persönlich bedaure ja, dass diese Art zu Schreiben ab den 1990er Jahren durch die Popliteratur und die Texte der Schreibschulabsolvent*innen untergebuttert wurde.

R: Du redest jetzt vom Stil?

T: Na ja, von der Sprache.

R: Ich schätze diesen Schreibstil nicht weniger als Du, wenn es schwelgt oder opulent rüberkommt. Ich finde das nur so … unangebracht. Pathos plus Pathos. Die Geschichte selbst trieft doch schon so…

T: Aber wenn sie jetzt von einer Mittelmeerreise so geschrieben hätte, wäre es ok?

R: Hey, jetzt übertreibst Du auch! (allgemeines Gelächter)

T: Nein, aber bedingt nicht die Erzählung auch einen gewissen Ton? Der Text ist ja als Tragödie angelegt, das dockt ja auch an klassischen Tragödien an. Da ist doch Pathos durchaus angebracht.

sphinx1B: Vielleicht ist es wirklich Geschmacksache. Und vielleicht zählt dann eher das, was N vorhin meinte: ob die Art, wie es erzählt wird, schlüssig und nachvollziehbar ist. Was den Stil angeht: bei solchen Erzählungen geht es ja auch darum, was man selbst für Erfahrungen gemacht hat. Ob man Liebeskummer auch so ähnlich erlebt oder sagt: nee, das führt doch zu überhaupt nichts.

R: Ich hab an Musik denken müssen, an weltschmerztriefende Sachen, die man gerne hört, wenn das sich mit den Gefühlen deckt. Aber da gibt es ja noch eine Abstraktionsebene.

T: Aber da kommt ja noch eine andere Ebene dazu. Denn dadurch, dass auf Geschlechterzuschreibungen verzichtet wird, ist es ja sehr kontrolliert, auch konstruiert. Garréta konnte ja nicht einfach – wie Natascha Wodin – alles „rausschreiben“, sie musste ja immer die Regeln, die sie sich gesetzt hatte, einhalten. Für mich hat das auch eine Spannung ausgemacht: einerseits das Pathetische, andererseits diese Kontrolle. Ich glaube, die Selbstbeschränkung spielt für das Buch schon eine große Rolle. Sie ist ja in den Oulipo-Kreis aufgenommen worden…

L: Aber hat Anne Garréta sich diese Aufgabe selber gestellt, diesen Hintergedanken?

T: Ich glaube, sie kam durchaus aus solch einer Denkweise, sie wurde ja aber erst später in diesen Kreis aufgenommen.

B: Als erste Frau!

L: Ist die Autorin eigentlich schon tot? Ich hatte gelesen, dass da nur Tote Mitglied werden können.

B: Nee, man bleibt aber Oulipo-Mitglied, auch wenn man tot ist.

T: Die lebenden Mitglieder haben beschlossen, dass nur Tote aufgenommen werden. (Gelächter)

Auch unabhängig von der Besonderheit der uneindeutigen Geschlechterzuschreibung, sind die zwei Hauptfiguren eine genauere Analyse wert. Beispielsweise die erzählende Person, die ohne große Vorkenntnisse zum gefeierten DJ in einer Pariser Disco wird.

D: Das war eine der stärksten Stellen in dem Buch, fand ich, wie die Person ganz analytisch an etwas herangeht, was sie noch nie gemacht hat, dieses Auflegen. Und obwohl das unglaublich unglaubwürdig wirkt, jemand, der noch nie eine Platte in der Hand gehalten hat unterhält auf einmal so einen riesigen Club und hat genau das Gefühl, wann was stimmig ist und passt usw. Diese Beschreibung dieser analytischen Herangehensweise – fast schon akademisch. Wo gibt’s ein Schema? Was funktioniert, wie gehe ich vor? Das fand ich sehr stimmig und eine der stärksten Stellen in diesem Buch.

B: Ja, und dann funktioniert’s – und dann ist es langweilig. So: Ah, ok, kann ich. Nächstes.

S: Und davor wurde ja aber noch eine Leiche beseitigt. Analytisches Vorgehen?

R: Ja, genau. Passionslos eigentlich, außer im Leiden. Oder?

F: Es ist halt alles sehr ichbezogen, das kann man ihr vielleicht schon vorwerfen.

B: Na gut, aber das ist es ja letzten Endes immer.

F: Ja, aber es gibt schon ein mehr oder weniger.

B: Ja, klar, also, aufopferungsvoll ist die erzählende Person jetzt tatsächlich nicht.

S: Also, ich kann das mit dem Pubertären jetzt doch nachvollziehen. Mich hat die Erzählerfigur oder die Erzählkonstruktion überhaupt nicht gestört. Es gibt viele Bücher, die so sind. Schon alleine Hermann Hesse. Der Erzähler: intellektuell, distanziert, reflektiert alles. Aber den kann man ja jetzt auch nicht mehr lesen. Sagen ja viele: mit 16 kann man Hesse lesen, und dann nervt’s. Und das ist hier so ähnlich, ein ähnlicher Erzähler. Und sie ist ja immer überlegen.

T: Aber auch unsicher.

S: Trotzdem ist die Figur stimmig erzählt. Das finde ich weiterhin. Und die Figur hat ja – zumindest im emotionalen Bereich – Entwicklungspotential. (Gelächter) Die Figur reibt sich ja ständig an Dingen, die weh tun, und schaut dann, was das macht.

T: Für mich war es gar nicht so sehr eine intellektuelle Distanz, sondern ein Überdruss. Die erzählende Person ist ja kaum gefestigt in dem, was sie denkt. Aber es ist sofort dieser Überdruss da.

D: Um den familiären Hintergrund geht’s ja gar nicht, außer dieser einen Oma, die ihr ein Vermögen vermacht hat man keine Ahnung, wo die nun herkommt.

B: Ja, das stimmt.

D: Was ja interessant gewesen wäre um herauszulesen: wie wird man so?

R: Aber wie ist die Person denn? An einer Stelle ist von schrecklichen Abgründen zu lesen.

S: Es wird aber nicht präzisiert. Es heißt nur in etwa: „Wenn Ihr wüsstet, was in mir alles wirkt!“

T: Vielleicht verführt aber auch der pathetische Ton dazu, dass man nicht sieht, was … also, man sieht ja diese Lücke mit den Geschlechtern, macht sich darüber Gedanken, aber vielleicht ist es auch angebracht, sich über die anderen Lücken auch Gedanken zu machen. Eben die Abwesenheit der Familie oder diese nicht benennbaren Dinge.

R: Das kommt schon am Schluss dabei raus, diese Einsamkeit, dieser Gedanke „um mich wird niemand weinen, wenn ich sterbe“. Das bricht dann hervor. Ist auch alles nachvollziehbar.

Der folgende Ausschnitt ist ein schönes Beispiel dafür, wie persönlich ein Gespräch über ein Buch werden kann – und wie sich der Blick darauf im Gespräch verändert.

P: Also, ich habe ganz viel von mir selbst gesehen in dieser Hauptfigur. Mir wurde auch mal attestiert, dass ich sceptically in love wäre. (Gelächter) Aber ich fand es teilweise auch nervig, weil ich so viel von mir darin erkannt habe. Nicht von der Sprache her, aber von der Art, da ranzugehen.

L: Ich kann dem nicht ganz folgen. Er – also, die erzählende Person – ist doch all in. Was ist denn an ihm skeptisch? Er überredet ja A*** zu der Beziehung.lesekreis titel

S: Aber erstmal als Spiel, als Herausforderung.

B: Eher aus einem Verlangen heraus. Aber es ist eine interessante Herangehensweise, jemanden methodisch zu überzeugen, warum es voll gut wäre, eine Beziehung zu haben.

S: Und die Figur empfindet es ja als eine Frechheit, zurückgewiesen zu werden.

L: Aber wenn da einer sceptically in love ist, dann ist es eher A***.

P: Vielleicht ist sceptically in love doch nicht so passend. Aber dieses Analytische, was sich durch alles durchzieht, dieses Überreflektieren …

F: Aber genau in diesem Punkt ja nicht, dieses Verlangen wird ja nie in Frage gestellt.

L: Das Analytische würde er sich wünschen als eine Art Reißleine, aber er kann sich ja nicht vor dem Verlangen retten.

B: Aber ich glaube, darum geht’s Dir gar nicht, oder, P? Auch, wenn das Verlangen da ist, bleibt das analytisch, als wäre es eine Taktik…

P: Ja, dieses Grundmuster, das sich da durchzieht. Das aber manchmal gar nicht so offensichtlich ist. Vor allem ab dem dritten Kapitel, in der Nacherzählung, wo diese Beziehung erst richtig stattfindet.

B: Da ist auch eine Diskrepanz zwischen Wollen bzw. Verlangen und dem Weg dorthin. Oder dem Umgang damit. Vielleicht macht das auch die Figur so schwierig. Man könnte sagen, dass es nicht zusammenpasst, nicht stimmig ist, und das ist es auch nicht. Umso seltsamer der Nachgang, dass es dann jemanden so völlig an den Boden wirft. Und gleichzeitig auch wieder passend, denn da ist ja auch jemand, der da keine Strategien dafür hat, der dem hilflos ausgeliefert ist.

L: Schon witzig, wir sind jetzt von einem Punkt gekommen, wo der Ich-Erzähler arrogant ist und auch erwartet, dass er geliebt wird, auch wenn das nicht so ist, zu dem, dass er ein Opfer ist, weil er keine Strategien hat, mit dem Verlust umzugehen.

F: Er ist ein Opfer der eigenen Ich-Bezogenheit, würde ich sagen. Da alles immer nur auf die eigene Person zurück reflektiert wird, ohne auf die anderen Menschen auf einer tieferen Ebene einzugehen – auf A*** ja schon, aber auf andere Menschen gar nicht – verliert sich diese Person zum Schluss in sich selbst, finde ich.

B: Schön gesagt!

N: Dieses Wechselspiel zwischen Theologiestudium und diesem Wechsel an die Uni und diesem Nachtleben mit der Karriere als DJ, da habe ich mich auch gefragt: was ist da jetzt Selbstfindung, Selbsterprobung? Was man ja mit Anfang 20 durchaus macht. Und wieviel hängt an dieser Liebe? Es ist einerseits Selbsterforschung, Selbsterkundung und dann wechselt das zu dieser Liebe, die Selbsterforschung geht völlig in dieser Liebe unter.

T: Also ich hänge noch bei der Skepsis gegenüber der Liebe. Ist das Buch nicht vielleicht eine große Metapher über Menschen, die nicht wissen, wer sie sind, nicht wissen, was sie wollen und sich dennoch in eine Liebe hineinstürzen? Dadurch wird’s aber nicht viel besser… Ich lese das schon als einen großen Kommentar.

L: Das Buch ist also skeptisch der Liebe gegenüber?

T: Die Autorin, würde ich sagen, ist es.

S: Es ist schon so, wie L meinte. Sie versucht ja immer wieder, Situationen zu schaffen, dass es wieder so ist, wie es mal war. Mit den Reisen beispielsweise …

L: Das ist ja jetzt ein ganz neuer Blick drauf, eine Geschichte, wie die Liebe halt so ist. Und am Ende hat der Ich-Erzähler halt Pech und wird da eingefroren, und dann läuft’s richtig schlecht. Alle anderen finden sich vielleicht damit ab, dann kommt die nächste Liebe und es läuft vielleicht wieder doof. Das ist jetzt etwas, was ich beim Lesen nicht als Gedanken hatte, aber was durchaus Sinn macht.

Zu guter Letzt die Abschlussrunde – der letzte Beitrag kam spontan und freiwillig! 😉

T: OK, sollen wir noch die berühmte Abschlussrunde machen?

K: Also, ich habe die Erklärung heute Abend gebraucht, denn mir ging es grundsätzlich ein bisschen wie R. Die dreißig Seiten inhaltsloses Trübsalblasen, da musste ich mich durchkämpfen. Teilweise dachte ich, ich höre jetzt auf, weil die Person so in Selbstmitleid zerfließt. Und dann dieser Intellektuellenkram… Ich glaube, das Wort „intellektuell“ kam sechsmal vor in diesem Buch. Und wie toll und wie hoch gebildet er/sie ist. Nach dem Abend heute sehe ich das ganz anders. Mit der Erklärung, dass das am Anfang so schnelllebig war, dann friert er/sie in dieser Trauer ein und dann zieht sich das, weil er/sie das braucht, um es zu verarbeiten. Das hat’s für mich jetzt schlüssiger gemacht. Ich kann das Buch jetzt positiver gestimmt ins Bücherregal stellen. (Gelächter)

sphinx6A: Also, wie gesagt, die ersten zehn Seiten, da dachte ich mir: oh Gott, geht’s schon wieder los mit dem ganz Bedeutungsvollen! Dann hatte ich schon überlegt, ob ich das überhaupt lesen will, hab’s kurzzeitig weggelegt, fand es dann aber vom Lesefluss her doch nicht so schlimm, wie ich dachte. Letzten Endes hat es sich schon ganz schön gelesen, aber irgendwie gibt mir das Buch auch nicht besonders viel. Ich glaube, das Interessanteste war für mich, zu reflektieren, warum ich anfangs dachte, es wären Mann und Frau. Und anhand von Indizien wurde das dann aufgelöst, das fand ich am interessantesten an dem Buch.

N: Ich hab meinen Frieden mit dem Buch geschlossen. Ich habe gemerkt, dass die Dinge, an denen ich mich gestört habe, irgendwo auch Sinn machen, weil es sich immer wieder ausgleicht, wie sich die beiden Charaktere auch ausgleichen. Ja, soviel von mir…

L: Ich habe das Buch mit einer ganz bestimmten Erwartungshaltung gelesen und da hat es ganz viel verpasst, was es hätte leisten können. (Gelächter) Aber sie hat es ja nicht heute geschrieben, deswegen will ich es auch der Autorin nicht vorwerfen. Ich glaube, wenn heute ein Buch auf den Markt kommen würde mit dem großen Werbeslogan „Liebesgeschichte ohne Geschlechter“, wäre es viel interessanter oder spektakulärer. Und das wäre das Buch, das ich gerne gelesen hätte.

T: Ich habe das sehr gerne gelesen. Es ist kein Meisterwerk, das Buch hat Schwächen, aber vielleicht auch produktive Schwächen. Ich fand das Gedankenspiel, die Geschlechter nicht eindeutig zu benennen, faszinierend und finde es auch literarisch toll umgesetzt. Bei der Geschichte… Ich denke ja, dass die Autorin ein Recht hat, das so zu schreiben, aber bis zum letzten Schluss konnte ich da nicht ganz mitgehen. Aber insgesamt fand ich es ein außergewöhnliches und bereicherndes Buch.

R: Mir ist wieder klar geworden, was ich an dem Buch gemocht habe, das, was ich unnötig und enervierend fand, sehe ich immer noch so. Die Diskussion hat mir das Buch aber auch wertvoller gemacht, als es am Anfang war.

S: Also, ich konnte mich beim Lesen wirklich nicht mehr von meinen 80er-Jahre-Bildern frei machen. Dann dieser schwarze Tänzer aus der Bronx – sorry, Harlem, war ja auch ein bisschen stereotyp angelegt. Also, irgendwie mag ich’s jetzt weniger als vorher (Gelächter). Aber ich konnte schon sehr viel nachvollziehen, bis auf das Selbstmitleid.

P: Also, mir hat das Buch sehr gut gefallen, vor allem, weil ich schon eine Nähe zu dieser Erzählerperson gespürt habe. Diese technische Art, an Sprache heranzugehen. Ich fand’s auch aufregend, immer wieder wie ein Detektiv zu versuchen, da etwas aufzudecken und dabei auch viel über sich selbst rauszufinden.

B: Ich fand, es hatte einen mittelmäßigen Anfang, eine starke Mitte und einen schwachen Schluss. Im Mittelteil hat mir schon sehr viel gut gefallen, ich fand es bereichernd, aber es ist jetzt auch nicht so, dass es mein Lieblingsbuch wird. Sprachlich fand ich’s sehr gut gemacht, auch sehr gut übersetzt. Also insgesamt schon eher positiv.

F: Mir hat’s auch sehr gut gefallen. Ich kann verstehen, dass man vielleicht manche Passagen nicht so gut findet. Ich frage mich, ob es sich nicht doch nochmal lohnt, diese Selbstreflexion im dritten Teil durchzulesen, weil die so schwer verständlich ist. Ich glaube, dass es nur vordergründig um die Beziehung der beiden Hauptfiguren geht, aber letzten Endes doch eher um einen Menschen, der ein komplett leidenschaftsloses Leben führt, dann aber an der einzigen Leidenschaft seines Lebens zu Grunde geht. Und das finde ich dann doch eine recht spannende Geschichte.

D: Ich kann jetzt gar nicht genau sagen, ob mir das Buch jetzt besser oder schlechter gefällt als vorher. Ich wollte jetzt eigentlich eher ein Loblied auf den Lesekreis anstimmen, weil da heute wieder einige Sachen aufgetaucht sind, die mir selbst nicht aufgefallen sind, weil ich Denkanstöße bekommen habe und Hintergründe genannt wurden, die ich nicht kannte. Ob dieses Buch jetzt die Erwartungen erfüllt hat oder nicht, weiß ich nicht, aber es war auf jeden Fall ein toller Abend, an dem der Lesekreis seine Aufgabe erfüllt hat. Weil abgesehen davon, dass wir uns sehen und zusammen Essen, gab es einfach wieder Meinungen, Kontroversen und überhaupt Input, die mich immer weiterbringen, nicht nur bei „Sphinx“, sondern auch bei anderen Büchern. Für mich ist heute voll aufgegangen, was der Lesekreis ist und auch sein sollte.

Anne Garréta. Sphinx. Roman. Aus dem Französischen von Alexandra Baisch. Mit einem Nachwort von Antje Rávic Strubel. 184 Seiten, gebunden. Edition fünf bei Edition Nautilus 2016. 19,90 €.

Vielen Dank an Anna für die Hilfe beim Ordnen und Kürzen der Gesprächspassagen und an Stefan für die Fotos!

 

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2 Gedanken zu „Sphinx unterm Sternenhimmel – ein Lesekreis debattiert über Anne Garréta

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